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Amazon PartnerNet: was ein Klick im Amazon Affiliate Programm einbringt

«Wie viel verdient man mit Amazon Affiliate?» — so lautet die erste Frage, die Google unter den Suchergebnissen einblendet. Gemeint ist das Amazon PartnerNet, so heisst das Partnerprogramm bei Amazon selbst. Auf den Seiten, die dort ranken, steht die Antwort nicht. Dort steht, wie du dich anmeldest, welche Kategorie welchen Satz bringt und dass Amazon bis zu 12 % zahlt. Was fehlt, ist die Multiplikation. Ein Prozentsatz ist kein Verdienst.

Amazon Partnerprogramm: bis zu 12 Prozent von etwas, das noch nicht dein Geld ist

Die Zahlung heisst bei Amazon Vergütung. Öffentlich nennt Amazon dazu genau eine Zahl: bis zu zwölf Prozent, verdient durch qualifizierte Käufe und Programme. Wie viel in deiner Kategorie tatsächlich gilt, steht im Vergütungskatalog.

Und der liegt hinter dem Login. Das klingt nach einer Fussnote, erklärt aber ein Ärgernis, über das viele Einsteiger stolpern: Jede Prozenttabelle, die du frei im Netz findest, ist die Abschrift von jemandem, der eingeloggt war, mit unbekanntem Stand und ohne Gewähr. Deshalb widersprechen sich diese Tabellen so oft. Willst du deinen Satz wissen, liest du ihn im eigenen Konto ab. Alles andere ist Hörensagen.

Wichtiger als der Satz ist ohnehin, worauf er greift. Nicht auf den Klick, sondern auf den Umsatz eines qualifizierten Kaufs. Qualifiziert ist ein Kauf erst, wenn das Produkt innerhalb von 180 Tagen versandt, gestreamt oder heruntergeladen und bezahlt wurde. Zwischen Klick und Auszahlung stehen also mehrere Bedingungen, und jede einzelne kann die Rechnung kürzen.

Amazon Affiliate Links: warum die Sitzung nach 24 Stunden endet

Ein Klick auf deinen Link eröffnet eine Sitzung. Sie endet mit dem, was zuerst eintritt:

Ablauf von 24 Stunden seit dem Klick
Der Kunde bestellt ein Produkt, ausgenommen digitale Produkte
Der Kunde ruft Amazon über den Link eines anderen Partners auf

Diese drei Zeilen entscheiden mehr über deine Einnahmen als jeder Prozentsatz. Eine Ausnahme gibt es: Legt der Kunde das Produkt in den Einkaufswagen und schliesst die Bestellung spätestens 89 Tage nach dem ursprünglichen Klick ab, zählt der Kauf noch dir.

Für die Praxis heisst das zweierlei. Kaufabsicht schlägt Reichweite. Ein Klick aus einer Kaufberatung ist ein Vielfaches eines Klicks aus einem Unterhaltungsformat wert, weil nur der erste innerhalb eines Tages zur Bestellung führt. Und du konkurrierst mit jedem anderen Partner-Link, den derselbe Kunde in denselben 24 Stunden anklickt.

Vom Prozentsatz zum Klickwert: die Rechnung, die auf keiner Seite steht

Ich komme aus dem Controlling, und dort lernt man früh, dass eine Prozentzahl ohne Bezugsgrösse nichts aussagt. Genau das passiert hier. Bis zu zwölf Prozent ist eine Obergrenze auf einen Umsatz, den es noch gar nicht gibt. Was am Ende ankommt, hängt an drei Faktoren:

Klickwert (EPC) = Vergütungssatz × Warenkorbwert × Conversion Rate

Setz Zahlen ein. Drei Prozent Vergütung, ein Warenkorb von 100 € und eine Conversion Rate von 2 %:

Klicks auf deine Amazon-Links10.000
Conversion Rate2 %
Bestellungen200
Warenkorbwert100 €
Vermittelter Umsatz20.000 €
Vergütungssatz3 %
Vergütung = 20.000 € × 3 % = 600 €
Verdienst je Klick = 600 € ÷ 10.000 = 0,06 €

Sechs Cent.

Zehntausend Klicks sind für viele Seiten ein Monat Arbeit, und daraus werden 600 €. Damit ist die Frage aus der Überschrift beantwortet, unangenehm ehrlich: Das Amazon-Modell trägt über Menge, nicht über Marge. Zum Vergleich steht im EPC-Rechner dieser Seite ein Klickwert von 1,50 € voreingestellt. Das ist unser Standardwert für ein Partnerprogramm, kein Marktdurchschnitt, aber der Abstand zeigt die Grössenordnung.

Die Stellschraube, die das Bild dreht, ist die Conversion Rate. Amazon konvertiert besser als ein durchschnittlicher Shop, weil Konto, Zahlungsdaten und Versandadresse längst hinterlegt sind. Eine belastbare öffentliche Zahl dazu veröffentlicht Amazon nicht, deshalb steht hier keine. Rechne stattdessen selbst: Bei 10 % Conversion Rate werden aus den sechs Cent 0,30 € je Klick. Bei sieben statt drei Prozent Vergütung sind es 0,14 €. Beides zusammen ergibt 0,70 €.

Ein Startup aus meinem Portfolio hat diese Rechnung einmal übersprungen. Die Devise lautete, erst Klicks zu erzeugen, das Geschäft komme dann von selbst. Es kam ein Kapitalschnitt. Der Fehler war nicht der Kanal, sondern dass niemand vorher ausgerechnet hatte, was ein Klick überhaupt einbringen kann. Ob sich ein Aufwand über einen längeren Zeitraum trägt, rechnet der Affiliate-ROI-Rechner durch.

Amazon Influencer Programm: gleicher Klick, anderes Schaufenster

Neben dem klassischen Partnerprogramm gibt es das Influencer-Programm: eine eigene Storefront bei Amazon, bestückt mit deinen Empfehlungen, gedacht für Reichweite aus sozialen Netzwerken statt aus einer Website. Amazon verlangt dafür eine etablierte Follower-Basis, nennt öffentlich aber keinen Schwellenwert. Wer eine bestimmte Zahl behauptet, hat sie nicht von Amazon.

Rechnerisch ändert sich nichts: derselbe Vergütungssatz, dieselbe Sitzung, dieselben 24 Stunden. Was sich ändert, ist die Herkunft des Klicks und damit die Conversion Rate, also genau der Faktor aus der Rechnung oben. Reichweite ist hier die schwächere Grösse. Mehr sagt der Anteil der Follower, der überhaupt klickt. Den misst die Engagement Rate besser als jede Followerzahl. Was ein einzelner Follower wirtschaftlich beiträgt, rechnet der Follower-Wert-Rechner, die Reichweite selbst der Reichweite-Rechner.

Amazon Provisionen gegen andere Partnerprogramme: wann sich der Wechsel rechnet

Die Frage, welches Programm mehr zahlt, wird fast immer am Prozentsatz entschieden und fast immer falsch. Vergleichbar sind erst vier Grössen zusammen: Satz, Warenkorb, Conversion Rate und Sitzungsdauer.

Nischenprogramm: 10 % auf 40 € Warenkorb 4,00 € je Bestellung
Amazon: 3 % auf 100 € Warenkorb 3,00 € je Bestellung

Der Nischenanbieter gewinnt, aber nur, solange seine Conversion Rate mithält. Tut sie das nicht, kippt der Vergleich sofort, denn die Conversion Rate steht in der Rechnung an derselben Stelle wie der Satz. Halbiert sie sich, halbiert sich der Klickwert, und die vier Euro sind weniger wert als die drei.

In meinem eigenen Grosshandel sitze ich auf der anderen Seite dieses Tisches, wir zahlen die Provision, statt sie zu verdienen. Aus dieser Sicht ist ein hoher Satz meist ein Hinweis darauf, dass der Anbieter Reichweite dringend braucht und dafür zu zahlen bereit ist, was er sich leisten kann, und das sind selten die Shops, in denen ohnehin schon ohne Zureden gekauft wird. Wie sich ein Satz auf der Merchant-Seite rechnet, zeigt der Provisions-Rechner. Die Grundlagen beider Perspektiven stehen im Artikel Affiliate Marketing erklärt.

Häufige Fragen

Wie viel verdient man mit Amazon Affiliate?
Das entscheidet nicht der Prozentsatz, sondern die Rechnung Vergütungssatz mal Warenkorbwert mal Conversion Rate. Bei drei Prozent, 100 € Warenkorb und 2 % Conversion Rate sind es sechs Cent je Klick, also 600 € auf 10.000 Klicks.
Wie funktioniert das Amazon Partnerprogramm?
Du verlinkst Produkte, ein Klick eröffnet eine Sitzung, und für qualifizierte Käufe innerhalb dieser Sitzung zahlt Amazon eine Vergütung auf den Umsatz. Qualifiziert ist ein Kauf erst, wenn das Produkt innerhalb von 180 Tagen versandt, gestreamt oder heruntergeladen und bezahlt wurde.
Wie lange ist ein Amazon Affiliate Link gültig?
Die Sitzung endet mit dem zuerst eintretenden von drei Ereignissen: 24 Stunden nach dem Klick, mit der Bestellung eines nicht-digitalen Produkts, oder sobald der Kunde Amazon über den Link eines anderen Partners aufruft. Legt der Kunde das Produkt in den Einkaufswagen, zählt eine Bestellung bis 89 Tage nach dem ursprünglichen Klick noch.
Wie wird man Amazon-Partner?
Über eine Bewerbung. Amazon nennt als Teilnehmer Blogger, Publisher und Content Creator mit einer geeigneten Website oder mobilen App; für das Influencer-Programm wird eine etablierte Follower-Basis in sozialen Medien verlangt. Eine Mindestgrösse veröffentlicht Amazon nicht.
Welche Affiliate-Programme lohnen sich?
Die, bei denen Vergütungssatz, Warenkorbwert und Conversion Rate zusammen den höchsten Klickwert ergeben — nicht die mit dem höchsten Prozentsatz. Ein Programm mit zehn Prozent auf einen kleinen Warenkorb kann weniger bringen als drei Prozent auf einen grossen.

Hintergrund & Quellen

  • Definition der Sitzung samt der drei Endereignisse (Ablauf von 24 Stunden seit dem Klick, Bestellung eines nicht-digitalen Produkts, Aufruf über den Partner-Link eines Dritten), die Einkaufswagen-Regel mit Bestellabschluss spätestens 89 Tage nach dem ursprünglichen Anklicken sowie die Qualifikation eines Kaufs durch Versand, Streaming oder Download und Bezahlung innerhalb von 180 Tagen: Amazon PartnerNet – «Richtlinien für das Partnerprogramm».
  • Die einzige öffentlich genannte Vergütungsangabe (bis zu 12 % Vergütung durch qualifizierte Käufe und Programme), der Hinweis, dass die Standardvergütung je nach Produktkategorie variiert, sowie die Teilnahmevoraussetzungen für Blogger, Publisher und Content Creator mit geeigneter Website oder App und für Influencer mit etablierter Follower-Basis: Amazon PartnerNet – Startseite.
  • Der Vertragsrahmen des Programms und der ausdrückliche Verweis auf den Vergütungskatalog als separates Dokument: Amazon PartnerNet – «Teilnahmebedingungen». Der Vergütungskatalog selbst ist nur nach Anmeldung einsehbar; kategoriegenaue Sätze sind deshalb in diesem Artikel bewusst nicht wiedergegeben.

Mehr über den Autor dieses Artikels findest du auf der Über-uns-Seite.