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Was ist eine gute Engagement Rate? Benchmarks für Instagram, TikTok, LinkedIn & Co.

Kaum eine Frage im Social-Media-Marketing wird häufiger gestellt und schlechter beantwortet: Was ist eine gute Engagement Rate? Du findest online Tabellen, die für dieselbe Plattform mal 0,5 % und mal 5 % als «normal» ausweisen – beide angeblich aus seriösen Studien. Der Grund ist kein Messfehler, sondern ein fundamentaler: Es gibt keine einheitliche Definition der Engagement Rate. Wer das versteht, liest jede Benchmark richtig. Hier die ehrliche Einordnung.

Die Formel – und der versteckte Haken

Die Engagement Rate setzt die Interaktionen mit einem Post (Likes, Kommentare, Shares, Saves) ins Verhältnis zu einer Bezugsgrösse. Klingt einfach – der Haken steckt im Nenner.

Engagement Rate (%) = Interaktionen ÷ Reichweite × 100

Manche teilen durch die Reichweite (wer den Post tatsächlich gesehen hat), andere durch die Follower-Zahl (deine gesamte Audience). Genau dieser Nenner macht den Unterschied: Da bei grossen Accounts längst nicht alle Follower jeden Post sehen, liefert die Follower-Basis viel niedrigere Werte als die Reichweiten-Basis. Dieselbe Leistung, zwei völlig verschiedene Prozentzahlen.

Benchmarks nach Plattform

Die folgenden Median-Werte beziehen sich auf die Reichweite (Interaktionen ÷ Reichweite) – dieselbe Basis, die auch der Engagement Rate Rechner verwendet:

LinkedIn~6 %
Facebook~5,5 %
Instagram~5,5 %
TikTok~4,5 %
X (Twitter)~2,5 %

Wichtig: Wird stattdessen durch die Follower-Zahl geteilt (eine ebenso verbreitete Methodik), fallen die Werte um das Fünf- bis Zehnfache tiefer aus – Instagram liegt dann eher bei 0,5 %. Beide Zahlen sind «richtig», nur nicht miteinander vergleichbar.

Warum dieselbe Plattform mal 0,5 % und mal 5 % zeigt

Genau hier scheitern die meisten Benchmark-Artikel: Sie kopieren eine Zahl aus einer Studie und erklären sie zum Universalziel. In Wahrheit messen die grossen Reports unterschiedlich – die einen pro Reichweite oder Impression, die anderen pro Follower, dazu verschiedene Branchen, Account-Grössen und Post-Typen. Dieselbe Plattform erscheint so in einer Studie mit 0,5 % und in einer anderen mit 5,5 %. Eine fremde Benchmark ist deshalb bestenfalls eine grobe Orientierung, nie ein Zielwert.

Was wirklich zählt – dein eigener Trend

Aussagekräftiger als der Vergleich mit Fremdwerten ist die Entwicklung deiner eigenen Rate über die Zeit, auf konstanter Berechnungsbasis. Und: Eine hohe Engagement Rate ist nicht automatisch gut. Verwirrung, Kontroverse oder ein Off-Brand-Witz treiben die Zahl, ohne dem Geschäft zu helfen – wirf vor dem Feiern einen Blick auf die Qualität der Kommentare. Am Ende zählt nicht die Interaktion selbst, sondern was sie auslöst: Klicks, Leads, Conversion.

Eine Beobachtung aus meiner Rolle als Startup-Investor: In den Monats-Updates meiner Beteiligungen stehen Engagement-Raten immer dann prominent im Bericht, wenn Umsatz und Conversions fehlen. Die Kennzahl ist nicht wertlos — aber sie ist das, was man zeigt, wenn die härteren Zahlen noch nicht da sind. Behandle sie entsprechend: als Frühindikator, nicht als Erfolgsnachweis.

Beispiel

Ein Post erzielt 450 Interaktionen bei 9.000 Reichweite.

450 ÷ 9.000 × 100 = 5,0 %

Bezogen auf die Reichweite ein solider Wert. Auf Follower-Basis (z. B. 90.000 Follower) wären es nur 0,5 % – dieselbe Leistung, andere Zahl.

Hör auf, fremde Zahlen zu jagen.

Berechne die Engagement Rate deiner Posts auf einheitlicher Basis und verfolge deinen eigenen Trend.

Engagement Rate Rechner →

Erst die Basis klären, dann vergleichen

Bevor du deine Engagement Rate mit irgendeiner Benchmark vergleichst, kläre, welcher Nenner dahintersteckt. Eine «gute» Rate gibt es nur relativ – zur Plattform, zur Methodik und vor allem zu deinem eigenen Vormonat.

Häufige Fragen

Was ist eine gute Engagement Rate?
Es gibt keinen Universalwert; sie hängt von Plattform und Berechnungsbasis ab. Bezogen auf die Reichweite gelten grob 4–6 % als solide, auf LinkedIn eher 6 %, auf X eher 2–3 %.
Wie berechnet man die Engagement Rate?
Interaktionen (Likes, Kommentare, Shares, Saves) ÷ Reichweite × 100. Statt der Reichweite wird teils die Follower-Zahl verwendet – das ergibt deutlich niedrigere Werte.
Warum nennen verschiedene Quellen so unterschiedliche Engagement-Raten?
Weil sie unterschiedliche Nenner (Reichweite, Impressionen oder Follower) und Datensätze verwenden – dieselbe Plattform kann 0,5 % oder 5,5 % zeigen.
Welche Plattform hat die höchste Engagement Rate?
Bezogen auf die Reichweite liegt LinkedIn vorne (~6 %), gefolgt von Facebook und Instagram (~5,5 %) und TikTok (~4,5 %); X bildet mit ~2,5 % das Schlusslicht.

Hintergrund & Quellen

Die genannten Benchmark-Werte sind grobe Mediane und variieren stark nach Branche, Account-Grösse und Berechnungsbasis.

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