Wissens-Guide
Instagram Geld verdienen: Wege, Schwellen und echte Zahlen
«Ab 10.000 Followern geht es los.» Diesen Satz liest man in fast jedem Ratgeber zum Thema. Auf Instagrams eigener Creator-Seite steht er nirgends. Dort stehen sechs Wege und keine einzige Follower-Zahl. Wer trotzdem auf die 10.000 hinarbeitet, feilt monatelang an der Grösse, die am wenigsten mit den Einnahmen zu tun hat.
Wie verdient man mit Instagram Geld? Die sechs Wege
Instagram selbst führt sechs Produkte, mit denen Creator Einnahmen erzielen. Sie zerfallen in zwei Gruppen. Bei den einen zahlt das Publikum oder die Plattform, bei den anderen ein Unternehmen, und genau daran hängt die Grössenordnung.
Zwei weitere Wege laufen gar nicht über Instagram und tauchen deshalb auf keiner Produktseite auf: die direkte Markenkooperation, bei der ein Unternehmen einen Beitrag bezahlt, ohne dass die Plattform beteiligt ist, und Affiliate-Links, bei denen eine Provision für vermittelte Käufe fliesst. Diese beiden haben keine Zugangsvoraussetzung. Bei den meisten Konten sind sie zugleich die grösste Position.
Wie viel ein vermittelter Klick im Affiliate-Fall einbringt, lässt sich ausrechnen: Der EPC-Rechner übersetzt Provisionen und Klickzahlen in einen Wert je Klick.
Ab wann verdient man mit Instagram Geld?
Instagram nennt keine Schwelle. Zu keinem der sechs Produkte steht auf der offiziellen Creator-Seite eine Follower-Zahl, ein Mindestalter oder eine Länderliste. Was dort steht, ist der Hinweis, es gebe keinen allgemeingültigen Ansatz. Die vielzitierten 10.000 Follower stammen aus Drittanbieter-Ratgebern.
Den Zugang steuern drei andere Dinge. Alle drei sind unangenehmer als eine Follower-Zahl, weil sich keines durch Wachstum lösen lässt:
Für die zwei Wege ohne Plattformbeteiligung (Markenkooperation und Affiliate) gilt keine dieser Bedingungen. Dort entscheidet eine andere Frage: Hat im eigenen Themenfeld überhaupt jemand Werbebudget? Ein Konto mit 3.000 Followern in einer kaufkräftigen Nische verdient regelmässig mehr als eines mit 30.000 in einer Unterhaltungsnische.
Wie viel verdient man mit Instagram?
Belastbare Zahlen gibt es nur dort, wo Unternehmen zahlen, also bei gesponserten Beiträgen. Marktüblich sind auf Instagram rund 14 Euro je 1.000 Follower für einen statischen Feed-Post. Daraus ergibt sich ein Basispreis und daraus eine Verhandlungsspanne: das 0,8-Fache als Einstiegspreis, das 1,3-Fache als Premium-Preis inklusive Nutzungsrechten.
Ich komme aus dem Finanzbereich und schaue bei solchen Tabellen zuerst auf die Spanne, nicht auf den Mittelwert. Zwischen 112 und 182 Euro liegen für denselben Beitrag 70 Euro Verhandlungsraum. Wer die Spanne nicht kennt, nennt seine Zahl zuerst und landet fast immer am unteren Rand.
Diese Zahlen sind eine Grössenordnung, kein Preisschild. Zwei Faktoren verschieben sie erheblich: Die Engagement Rate wirkt als Multiplikator von 0,7 bei unter einem Prozent bis 1,35 bei über acht Prozent, die Nische von 0,8 bei Unterhaltung bis 1,5 bei Finanzen und B2B. Zwischen einem passiven Lifestyle-Konto und einem aktiven Finance-Konto gleicher Grösse liegt damit rund der Faktor zwei. Reels und Videos kosten zusätzlich 25 bis 50 Prozent mehr als ein statischer Beitrag.
Den eigenen Wert mit Plattform, Engagement und Nische rechnet der Sponsoring-Preis-Rechner aus. Ob die Reichweite insgesamt in Umsatz umschlägt, zeigt der Follower-Wert-Rechner.
Aus Marken-Sicht: was kostet ein Instagram-Post?
Bis hierher stand die Creator-Seite im Vordergrund. Für ein Unternehmen, das einen Beitrag einkauft, sind es dieselben Zahlen mit umgekehrtem Vorzeichen. Was oben Einnahme heisst, steht in der Marketingplanung als Kostenposition.
Der Unterschied liegt in der Bewertungsgrundlage. Ein Creator rechnet in Preis pro Post. Eine Marke muss in Kosten pro Kontakt rechnen. Sonst lässt sich kein Angebot mit einem anderen vergleichen. Ein Beitrag für 1.400 Euro, der 60.000 Menschen erreicht, kostet rund 23 Euro je 1.000 Kontakte. Erst diese Grösse lässt sich einer Display-Kampagne oder einer Anzeige gegenüberstellen. Der CPM-Rechner macht diese Umrechnung.
In meiner eigenen Firma lag so ein Angebot einmal auf dem Tisch: ein Betrag, eine Reichweitenzahl, sonst nichts. Neben unseren laufenden Google-Ads-Kosten liess es sich erst einordnen, nachdem ich es auf Kosten je tausend Kontakte heruntergerechnet hatte. Vorher war es eine Zahl ohne Massstab, und ehrlich gesagt hätte ich sie beinahe einfach akzeptiert.
Zwei Positionen werden dabei regelmässig übersehen. Nutzungsrechte sind nicht im Postpreis enthalten: Will die Marke den Beitrag für eigene Anzeigen weiterverwenden, ist das eine separate Lizenz. Und die Reichweite ist nicht die Follower-Zahl. Welcher Anteil der Audience einen Beitrag tatsächlich sieht, zeigt der Reichweite-Rechner. Wer auf Follower statt auf Reichweite kalkuliert, zahlt für Publikum, das den Beitrag nie zu Gesicht bekommt.
Wachstum ist der langsamste Hebel
Von 10.000 auf 20.000 Follower zu kommen dauert Monate und verdoppelt den Basispreis. Die Engagement Rate von einem auf vier Prozent zu heben verschiebt denselben Preis um rund die Hälfte. Das ist eine Frage des Formats, nicht der Zeit. Bei der Nische geht kurzfristig gar nichts. Sie wird am Anfang entschieden und wirkt am längsten nach.
Wer Einnahmen sucht, prüft deshalb zuerst etwas ganz anderes als die eigene Kontogrösse: ob im Themenfeld überhaupt Unternehmen mit Werbebudget unterwegs sind. Ist die Antwort nein, bringt auch die zehnfache Reichweite wenig. Dann tragen eigene Produkte oder Affiliate weiter, weil sie nicht davon abhängen, dass jemand anders ein Budget freigibt.
Häufige Fragen
- Ab wie vielen Followern kann man auf Instagram Geld verdienen?
- Instagram nennt auf seiner eigenen Creator-Seite keine Follower-Schwelle. Die verbreitete Zahl von 10.000 Followern stammt aus Drittquellen, nicht von Instagram. Massgeblich sind stattdessen: ein professionelles Konto, die Verfügbarkeit des jeweiligen Produkts im eigenen Land und die Einhaltung der Richtlinien. Markenkooperationen und Affiliate-Links laufen ohnehin nicht über Instagram und kennen gar keine Schwelle.
- Wie viel verdient man mit 10.000 Followern auf Instagram?
- Als Richtwert für einen gesponserten Feed-Post: rund 140 Euro Basispreis, mit einer Verhandlungsspanne von etwa 112 bis 182 Euro. Der Wert folgt aus dem plattformüblichen Preis von rund 14 Euro je 1.000 Follower. Engagement Rate und Nische verschieben ihn deutlich — ein aktiver Finance-Account liegt über einem passiven Lifestyle-Account gleicher Grösse.
- Welche Einnahmequelle bringt auf Instagram am meisten?
- In aller Regel Markenkooperationen, also bezahlte Beiträge für Unternehmen. Die Programme von Instagram selbst — Abonnements, Geschenke, Abzeichen und Prämien — sind an Verfügbarkeit im eigenen Land gebunden und liefern bei kleineren Konten meist Beträge im zweistelligen Bereich pro Monat. Affiliate-Links stehen dazwischen: kein Mindestpublikum, aber die Einnahmen hängen an der Kaufabsicht der Zielgruppe.
- Zählt die Follower-Zahl oder die Engagement Rate mehr?
- Für den Preis eines Beitrags zählen beide, aber nicht gleich stark. Die Follower-Zahl bestimmt die Grössenordnung, die Engagement Rate verschiebt sie um bis zu ein Drittel nach oben oder unten. Nano- und Micro-Konten erzielen pro Follower oft mehr als grosse Accounts, weil ihre Communitys enger und kaufkräftiger sind.
Verwandte Themen
Hintergrund & Quellen
- Die sechs Produkte, mit denen Instagram Einnahmen für Creator vorsieht — Abonnements, Partnership Ads, Creator Marketplace, Geschenke, Abzeichen und Prämien — sowie die Feststellung, dass es keinen allgemeingültigen Ansatz gibt und die Seite zu keinem Produkt eine Follower-Schwelle nennt: Instagram for Creators – «Deine Passion zu Geld machen»
- Die Richtwerte für Preise gesponserter Beiträge nach Plattform und Follower-Zahl, aus denen die Zahlen in diesem Artikel und im Sponsoring-Preis-Rechner werte-identisch stammen: Influencer Marketing Hub – «Instagram Money Calculator»
- Die Multiplikatoren für Engagement Rate und Nische sowie die Spanne vom Einstiegs- zum Premium-Preis inklusive Nutzungsrechten: reel.money – «Influencer Rate Formula & Benchmarks»
Mehr über den Autor dieses Artikels findest du auf der Über-uns-Seite.