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Wissens-Guide

CLV berechnen: Customer Lifetime Value mit Formel und Beispielen

Der erste Auftrag eines Neukunden ist bei uns im Grosshandel selten ein Geschäft. Nach Akquisekosten bleibt kaum etwas übrig, und trotzdem gehören genau diese Kunden zu den wertvollsten, weil sie über Jahre nachbestellen, ohne dass wir dafür noch einmal Werbung bezahlen. Genau diesen Wert misst der Customer Lifetime Value (CLV): der Gesamtwert eines Kunden über die gesamte Geschäftsbeziehung, in der Grundformel AOV × Kauffrequenz, für den Gewinn zusätzlich mal Marge. Hier stehen alle Formelvarianten: Umsatz-CLV, Profit-CLV, die Abo-Formel für SaaS. Dazu, was der CLV fürs Werbebudget bedeutet und wo die Grenze fürs Bieten liegt. Wenn du nur schnell rechnen willst, nutze den CLV-Rechner. Hier steht die Einordnung dahinter.

CLV und LTV: derselbe Wert, zwei Namen

Customer Lifetime Value (CLV) und Lifetime Value (LTV) bezeichnen dieselbe Kennzahl, nämlich den Gesamtwert eines Kunden über seine gesamte Beziehung zum Unternehmen, und wer beide Begriffe in einem Reporting nebeneinander findet, schaut auf dieselbe Zahl in zwei Schreibweisen. Im SaaS- und Abo-Umfeld ist LTV verbreiteter, CLV eher im klassischen E-Commerce. Inhaltlich gibt es keinen Unterschied. Beide beantworten dieselbe Frage: Was bringt ein Kunde, und was darf er kosten?

CLV berechnen – die Grundformel

Die einfachste Form multipliziert den durchschnittlichen Bestellwert mit der Zahl aller Käufe eines Kunden.

CLV = AOV × Käufe pro Kunde

Ein Kunde kauft im Schnitt 3× zu je 100 € durchschnittlichem Bestellwert (AOV):

Ø Bestellwert (AOV) 100 €
× Käufe pro Kunde 3
= Umsatz-CLV 300 €

Achtung: Das ist der Umsatz-CLV, also der Bruttoumsatz, den ein Kunde bringt. Für die meisten Marketing-Entscheidungen ist er die falsche Grösse.

Eine Feinheit zur Einordnung: Die betriebswirtschaftliche Lehrbuchvariante zinst künftige Deckungsbeiträge auf den heutigen Wert ab (Kapitalwertmethode), weil ein Euro in drei Jahren weniger wert ist als ein Euro heute. Aus dem Finanzbereich kenne ich das anders herum: Als wir vor dem Firmenkauf Dutzende Unternehmen durchgerechnet haben, wurde jeder künftige Zahlungsstrom abgezinst, sonst wäre die Bewertung von Anfang an schief gewesen. Für die Frage, was mich ein Klick heute kosten darf, brauche ich das nicht. Die Praxis rechnet ohne Abzinsung, hier und im CLV-Rechner ebenso. Bei Kundenbeziehungen über viele Jahre lohnt der genauere Blick.

Umsatz-CLV vs. Profit-CLV: womit du rechnen darfst

Der häufigste und teuerste Fehler im Performance Marketing: mit dem Umsatz-CLV zu rechnen. Werbung wird aus der Marge bezahlt, nicht aus dem Umsatz. Der Profit-CLV zieht deshalb die variablen Kosten ab und zählt nur den Deckungsbeitrag:

Kennzahl Formel Ergebnis
Umsatz-CLV AOV × Käufe 300 €
Profit-CLV AOV × Marge × Käufe 150 €

Bei 100 € AOV, 50 % Marge und 3 Käufen bleiben von 300 € Umsatz nur 150 € Deckungsbeitrag, und genau diese 150 € stehen für Akquise, Fixkosten und Gewinn zur Verfügung, nicht die 300 €. Für jede CAC-Entscheidung zählt deshalb ausschliesslich der Profit-CLV. Beide Varianten rechnet der CLV-Rechner nebeneinander. Die Kurzdefinitionen stehen im Glossar unter Umsatz-CLV und Profit-CLV.

CLV direkt berechnen

Gib Bestellwert, Marge und Kauffrequenz ein. Du erhältst Umsatz- und Profit-CLV nebeneinander, inklusive Einordnung fürs Werbebudget.

Zum CLV-Rechner →

CLV berechnen für Abo-Modelle (SaaS)

Bei Abonnements ist die Kauffrequenz nicht fix. Sie hängt davon ab, wie lange ein Kunde bleibt. Statt „Käufe pro Kunde" tritt hier die Churn-Rate. Der Kehrwert der monatlichen Abwanderung ergibt die durchschnittliche Kundenlebensdauer.

CLV = monatlicher Deckungsbeitrag pro Kunde ÷ Churn-Rate

Ein Abo bringt 25 € Deckungsbeitrag pro Monat, die monatliche Churn-Rate 5 %:

Monatlicher Deckungsbeitrag / Kunde 25 €
Monatliche Churn-Rate 5 %
= CLV (25 ÷ 0,05) 500 €

5 % Churn entsprechen einer durchschnittlichen Lebensdauer von 20 Monaten. Jeder Prozentpunkt weniger hebt den CLV spürbar. Grundlage ist der monatlich wiederkehrende Umsatz (MRR) je Kunde, bereinigt um die Marge.

Ein Hinweis zur Formel: In der SaaS-Branche kursiert sie meist als „LTV = ARPU ÷ Churn-Rate", also mit dem Umsatz pro Kunde statt mit dem Deckungsbeitrag, der nach den variablen Kosten übrig bleibt. Das Ergebnis fällt dadurch systematisch zu hoch aus. Als Investor habe ich gesehen, wohin das führt. Ein Gesundheits-Startup aus meinem Portfolio wies auf ARPU-Basis einen komfortablen Kundenwert aus, und niemand widersprach — bis jemand im Board die Serverkosten und die Zahlungsgebühren dagegenrechnete und vom Abstand zu den Akquisekosten nichts übrig blieb. Zwölf Monate später stand statt Wachstum ein Kapitalschnitt an. Wir rechnen hier bewusst konservativer mit dem Deckungsbeitrag. Nur er steht am Ende für Akquise, Fixkosten und Gewinn zur Verfügung. Wer den Branchenwert mit unserem vergleicht, sieht hier die kleinere Zahl. Das ist Absicht.

Was der CLV über dein Werbebudget entscheidet

Der Profit-CLV setzt die Obergrenze für die Kundenakquise. Als Faustregel gilt ein gesundes Verhältnis von Kundenwert zu Akquisekosten von 3:1. Der CAC sollte also höchstens ein Drittel des Profit-CLV betragen:

Profit-CLV 150 €
Ziel-Verhältnis LTV:CAC 3 : 1
= gesunder CAC (max.) 50 €

Warum genau 3:1, und wann du davon abweichen darfst, erklärt der LTV:CAC-Guide. Das Verhältnis für deine Zahlen liefert der LTV:CAC-Rechner. Und wie CLV, CAC und Marge zusammenspielen, lässt sich im Marketing Cockpit live durchspielen.

CLV erhöhen: die drei Hebel

Der CLV ist keine fixe Zahl. Er ist das Produkt aus drei gestaltbaren Grössen:

  • Kauffrequenz erhöhen: Wiederkäufe sind der stärkste CLV-Hebel. E-Mail-Marketing, Loyalty-Programme und Abos bringen Kunden zurück – wie viel eine gepflegte Liste wert ist, zeigt der Listenwert-Rechner.
  • Bestellwert steigern: Bundles, Cross-Sells und Upsells erhöhen den Deckungsbeitrag pro Kauf sofort – berechne dein Potenzial im AOV-Rechner.
  • Marge verbessern: Bessere Einkaufskonditionen oder weniger Rabatte erhöhen den Gewinnanteil jedes Kaufs direkt – und damit den Profit-CLV. Prüfen im Bruttomargen-Rechner.

Aus eigener Erfahrung: Der stärkste Hebel ist bei uns die Kauffrequenz. Das Werkzeug dafür ist erstaunlich unspektakulär. Ein regelmässiger Mailchimp-Newsletter an die Bestandskunden kostet fast nichts und bringt verlässlich Nachbestellungen. Verglichen damit ist jeder über Werbung eingekaufte Neukunde teuer. Wer seinen CLV erhöhen will, fängt bei den Kunden an, die er schon hat.

Häufige Fragen

Wie berechnet man den Customer Lifetime Value?
Die Grundformel lautet: CLV = durchschnittlicher Bestellwert (AOV) × Käufe pro Kunde. Das ergibt den Umsatz-CLV. Für den aussagekräftigeren Profit-CLV wird zusätzlich mit der Bruttomarge multipliziert: AOV × Marge × Käufe. Beispiel: 100 € AOV × 3 Käufe = 300 € Umsatz-CLV; bei 50 % Marge sind das 150 € Profit-CLV.
Was ist der Unterschied zwischen CLV und LTV?
Keiner – CLV (Customer Lifetime Value) und LTV (Lifetime Value) bezeichnen dieselbe Kennzahl: den Gesamtwert eines Kunden über die gesamte Geschäftsbeziehung. LTV ist im SaaS- und Abo-Umfeld gebräuchlicher, CLV im klassischen E-Commerce. Gemeint ist beides Mal dasselbe.
Was ist der Unterschied zwischen Umsatz-CLV und Profit-CLV?
Der Umsatz-CLV (AOV × Käufe) ist der Bruttoumsatz eines Kunden. Der Profit-CLV (AOV × Marge × Käufe) ist der Deckungsbeitrag, der nach den variablen Kosten übrig bleibt. Für Akquise- und Werbeentscheidungen zählt nur der Profit-CLV, weil Werbung aus der Marge bezahlt wird, nicht aus dem Umsatz.
Wie berechnet man den CLV bei Abo-Modellen?
Im Abo-Geschäft ergibt sich der CLV aus dem monatlichen Deckungsbeitrag pro Kunde geteilt durch die Churn-Rate: CLV = monatlicher DB ÷ Churn-Rate. Beispiel: 25 € Deckungsbeitrag pro Monat und 5 % monatliche Churn-Rate ergeben 25 ÷ 0,05 = 500 € CLV. Je niedriger die Churn-Rate, desto höher der Kundenwert.

Hintergrund & Quellen

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