Marketing Suite

Wissens-Guide

Deckungsbeitrag berechnen: Formel, Beispiele & mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung

Ich habe Jahre im Konzern-Controlling verbracht, und wenn ich aus dieser Zeit eine einzige Kennzahl behalten dürfte, wäre es diese: der Deckungsbeitrag. Die Formel ist kurz — Verkaufserlös − variable Kosten — und trotzdem hängt fast jede gute Preis-, Sortiments- und Werbeentscheidung an ihr. Er deckt zuerst die Fixkosten; was danach bleibt, ist Gewinn. Hier findest du die Formel, Stück- und Gesamtdeckungsbeitrag, die einstufige und mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung (DB I bis III) und die Abgrenzung zur Bruttomarge — mit durchgehenden Zahlenbeispielen.

Die Deckungsbeitrag-Formel: so wird gerechnet

Vom Verkaufserlös ziehst du die variablen Kosten ab. Fertig. Übrig bleibt der Betrag, der zur Deckung der Fixkosten beiträgt.

Deckungsbeitrag = Verkaufserlös − variable Kosten

Die ganze Rechnung steht und fällt mit der sauberen Trennung: variable Kosten fallen pro Verkauf an und steigen mit der Menge, Fixkosten laufen unabhängig von der Stückzahl weiter. In der Praxis gibt es Grauzonen — bei meinem eigenen Grosshandel diskutiere ich bis heute, ob gestaffelte Frachtkosten nun variabel oder fix sind. Faustregel: Im Zweifel variabel ansetzen; das macht die Rechnung konservativer.

Variable Kosten (zählen zum Abzug) Wareneinsatz, Material, Versand, Verpackung, Transaktionsgebühren
Fixkosten (zählen nicht) Miete, Gehälter, Software-Abos, Versicherungen

Stückdeckungsbeitrag und Gesamtdeckungsbeitrag

Der Stückdeckungsbeitrag bezieht sich auf eine einzelne Einheit, der Gesamtdeckungsbeitrag auf die gesamte verkaufte Menge einer Periode.

Stückdeckungsbeitrag = Verkaufspreis − variable Kosten pro Stück
Gesamtdeckungsbeitrag = Stückdeckungsbeitrag × Menge

Ein durchgehendes Beispiel mit einem Verkaufspreis von 100 € und variablen Kosten von 50 € bei 200 Bestellungen im Monat:

Verkaufspreis (pro Stück) 100 €
− variable Kosten (pro Stück) 50 €
= Stückdeckungsbeitrag 50 €
× Menge (Bestellungen) 200
= Gesamtdeckungsbeitrag 10.000 €

Deckungsbeitrag & Marge direkt berechnen

Statt von Hand zu rechnen: Gib Verkaufspreis und Selbstkosten ein und erhalte Deckungsbeitrag und Bruttomarge sofort – inklusive Sensitivitäts-Diagramm.

Zum Bruttomargen-Rechner →

Einstufige Deckungsbeitragsrechnung: vom Deckungsbeitrag zum Betriebsergebnis

In der einstufigen Deckungsbeitragsrechnung werden alle Fixkosten in einem Block vom Gesamtdeckungsbeitrag abgezogen. Übrig bleibt das Betriebsergebnis. Das Schema mit denselben Zahlen und Fixkosten von 6.000 €:

Umsatzerlöse (200 × 100 €) 20.000 €
− variable Kosten (200 × 50 €) 10.000 €
= Gesamtdeckungsbeitrag 10.000 €
− Fixkosten 6.000 €
= Betriebsergebnis 4.000 €

Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung: DB I, DB II und DB III

Die einstufige Rechnung behandelt alle Fixkosten gleich. In der Praxis lassen sich manche Fixkosten aber einem Produkt oder Bereich direkt zuordnen. Die mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung splittet die Fixkosten deshalb nach Verursachung:

  • Produktfixe Kosten – einem einzelnen Produkt zurechenbar (z. B. produktspezifisches Tooling, dedizierte Kampagnen).
  • Bereichsfixe Kosten – einer Produktgruppe oder Abteilung zurechenbar.
  • Unternehmensfixe Kosten – nicht zurechenbar (z. B. Geschäftsführung, Miete, Verwaltung).

Daraus ergibt sich das Stufenschema: Umsatz − variable Kosten = DB I − produktfixe Kosten = DB II − bereichs- und unternehmensfixe Kosten = DB III (das Betriebsergebnis). Ein kompaktes Beispiel mit zwei Produkten:

Position Produkt A Produkt B Summe
Umsatzerlöse 12.000 € 8.000 € 20.000 €
− variable Kosten 6.000 € 4.000 € 10.000 €
= DB I 6.000 € 4.000 € 10.000 €
− produktfixe Kosten 1.500 € 1.000 € 2.500 €
= DB II 4.500 € 3.000 € 7.500 €
− bereichs-/unternehmensfixe Kosten 3.500 €
= DB III (Betriebsergebnis) 4.000 €

Der Vorteil: Man erkennt auf DB-II-Ebene, welches Produkt nach seinen direkt zurechenbaren Kosten wie viel zum gemeinsamen Ergebnis beiträgt – hier steuert Produkt A mit 4.500 € mehr bei als Produkt B mit 3.000 €. Das Betriebsergebnis von 4.000 € ist dasselbe wie in der einstufigen Rechnung; nur die Fixkosten von 6.000 € sind hier differenziert dargestellt (2.500 € produktfix, 3.500 € bereichs-/unternehmensfix).

Relativer Deckungsbeitrag: Engpass-Entscheidungen

Ist eine Ressource knapp – etwa Maschinenstunden, Lagerplatz oder Werbebudget –, zählt nicht der absolute Deckungsbeitrag, sondern der Deckungsbeitrag pro Engpasseinheit. Der relative Deckungsbeitrag priorisiert das Sortiment danach, welches Produkt die knappe Ressource am besten nutzt.

Relativer Deckungsbeitrag = Stückdeckungsbeitrag ÷ Engpassfaktor
Produkt Stück-DB Maschinenzeit Relativer DB
Produkt A 50 € 10 Min 5 €/Min
Produkt B 40 € 5 Min 8 €/Min

Obwohl Produkt A den höheren Stückdeckungsbeitrag hat, ist Produkt B bei knapper Maschinenzeit die bessere Wahl: Es erwirtschaftet 8 € statt 5 € pro Engpassminute. Bei begrenzter Kapazität sollte also zuerst Produkt B produziert werden.

Genau diese Rechnung mache ich in meinem Handelsunternehmen bei der Sortimentsplanung: Unser Engpass ist nicht Maschinenzeit, sondern Lagerfläche. Ein sperriges Produkt mit hohem Stückdeckungsbeitrag kann pro Palettenplatz trotzdem weniger einbringen als ein kompaktes mit kleinerem. Seit wir den Deckungsbeitrag pro Palettenplatz vergleichen statt pro Stück, sieht die Bestellliste anders aus.

Deckungsbeitrag vs. Bruttomarge: der Unterschied

Deckungsbeitrag und Bruttomarge beschreiben dieselbe Grösse, nur in unterschiedlicher Form: Der Deckungsbeitrag ist ein absoluter Euro-Betrag, die Bruttomarge ein Prozentsatz.

Kennzahl Formel Ergebnis
Deckungsbeitrag Preis − variable Kosten 50 €
Bruttomarge DB ÷ Preis × 100 50 %

Für E-Commerce und Performance Marketing musst du beide Formen im Griff haben: Der Stückdeckungsbeitrag entspricht dem maximalen CPA – dem Betrag, den ein Neukunde beim ersten Kauf maximal kosten darf. Prozentwerte wie die Bruttomarge fliessen dagegen in Formeln wie den Break-Even ROAS ein. Beide Werte lassen sich im Bruttomargen-Rechner direkt berechnen; die Kurzdefinition steht im Glossar-Eintrag Deckungsbeitrag. Wie sich Deckungsbeitrag, CAC und Kundenwert zusammen auf die Profitabilität auswirken, lässt sich im Marketing Cockpit durchspielen.

Break-Even: Wie viele Verkäufe decken die Fixkosten?

Sobald der Stückdeckungsbeitrag feststeht, ergibt sich die Gewinnschwelle direkt daraus: Die Break-Even-Menge ist die Zahl der Verkäufe, deren Deckungsbeiträge zusammen die Fixkosten decken.

Break-Even-Menge = Fixkosten ÷ Stückdeckungsbeitrag

Bei 6.000 € Fixkosten und 50 € Stückdeckungsbeitrag sind das 120 Stück. Den vollständigen Rechenweg und die E-Commerce-Perspektive findest du im Break-Even-Guide, den interaktiven Rechner im Break-Even-Menge-Rechner.

Häufige Fragen

Was ist der Deckungsbeitrag?
Der Deckungsbeitrag ist der Betrag, der vom Verkaufserlös übrig bleibt, nachdem die variablen Kosten abgezogen sind – also das, was ein Produkt zur Deckung der Fixkosten beiträgt. Daher der Name. Die Summe aller Deckungsbeiträge deckt zuerst die Fixkosten der Periode; erst was darüber hinaus bleibt, ist Gewinn. Im Gegensatz zur Marge ist der Deckungsbeitrag ein absoluter Euro-Betrag, kein Prozentsatz.
Wie berechnet man den Deckungsbeitrag?
Deckungsbeitrag = Verkaufserlös − variable Kosten. Der Stückdeckungsbeitrag gilt pro verkaufter Einheit (z. B. 100 − 50 = 50 €), der Gesamtdeckungsbeitrag ist Stückdeckungsbeitrag × Menge (z. B. 50 € × 200 = 10.000 €). Der Deckungsbeitrag deckt zuerst die Fixkosten; was danach bleibt, ist Gewinn.
Was ist der Unterschied zwischen Deckungsbeitrag I, II und III?
In der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung ist DB I = Umsatz − variable Kosten, DB II = DB I − produktfixe Kosten, DB III = DB II − bereichs- und unternehmensfixe Kosten (= Betriebsergebnis). Die Stufen ordnen Fixkosten dort zu, wo sie verursacht werden, und zeigen so den Ergebnisbeitrag jedes Produkts.
Ist der Deckungsbeitrag dasselbe wie die Marge?
Nein. Der Deckungsbeitrag ist ein absoluter Euro-Betrag (Preis − variable Kosten), die Bruttomarge ist ein Prozentsatz (Deckungsbeitrag ÷ Preis × 100). Bei 100 € Preis und 50 € variablen Kosten sind das 50 € Deckungsbeitrag bzw. 50 % Bruttomarge – dieselbe Realität, unterschiedlich dargestellt.
Was sagt ein negativer Deckungsbeitrag aus?
Ein negativer Deckungsbeitrag bedeutet, dass der Verkaufspreis unter den variablen Kosten liegt. Jeder verkaufte Artikel vergrössert dann den Verlust, und die Fixkosten werden gar nicht erst gedeckt. Das ist ein klares Signal, den Preis zu erhöhen, die variablen Kosten zu senken oder das Produkt aus dem Sortiment zu nehmen.

Hintergrund & Quellen

Mehr über den Autor dieses Artikels findest du auf der Über-uns-Seite.