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Wissens-Guide

Preiskalkulation: Verkaufspreis berechnen — Formel & Handelskalkulation

Die meistgeöffnete Datei in meinem Unternehmen ist keine Präsentation und kein Vertrag — es ist die Kalkulationstabelle. Preiskalkulation heisst: vom Einkaufspreis über die Kosten und einen Gewinnzuschlag systematisch zum Verkaufspreis. Hier findest du beide Wege — das klassische Kalkulationsschema der Handelskalkulation, wie wir es im Grosshandel täglich anwenden, und den schnellen E-Commerce-Weg rückwärts über die Zielmarge — mit einem durchgehenden Zahlenbeispiel. Wer nur schnell rechnen will, nutzt den Bruttomargen-Rechner; hier steht der vollständige Rechenweg dahinter.

Das Grundprinzip: Kosten + Gewinn = Preis

Ein tragfähiger Preis deckt alle Kosten und wirft darüber hinaus Gewinn ab. So banal das klingt — in der Praxis scheitern Kalkulationen selten an der Formel, sondern daran, welche Kosten überhaupt drinstehen. Drei Perspektiven auf den Preis:

Ansatz Grundlage Rolle
Kostenbasiert Selbstkosten + Gewinn Preis-Untergrenze
Marktbasiert Wettbewerb & Nachfrage Preis-Obergrenze
Wertbasiert Zahlungsbereitschaft Spielraum nach oben

Dieser Guide behandelt die kostenbasierte Kalkulation – sie liefert die Untergrenze, unter der du strukturell Verlust machst. Was der Markt am oberen Ende zulässt, entscheidet Wettbewerb und Zahlungsbereitschaft; die Kalkulation sagt dir, wo du keinesfalls landen darfst.

Das klassische Kalkulationsschema (Handelskalkulation)

Die Handelskalkulation führt in festen Schritten vom Listeneinkaufspreis zum Brutto-Verkaufspreis. Jede Zeile hat ein Zwischenergebnis – hier mit einem durchgehenden Beispiel:

Listeneinkaufspreis 100,00 €
− Lieferantenrabatt (20 %) −20,00 €
= Zieleinkaufspreis 80,00 €
− Lieferantenskonto (2 %) −1,60 €
= Bareinkaufspreis 78,40 €
+ Bezugskosten (Fracht, Verpackung) +1,60 €
= Einstandspreis 80,00 €
+ Handlungskostenzuschlag (25 %) +20,00 €
= Selbstkosten 100,00 €
+ Gewinnzuschlag (20 %) +20,00 €
= Barverkaufspreis (Netto-VK) 120,00 €
+ MwSt. (19 %) +22,80 €
= Brutto-Verkaufspreis 142,80 €

Gewährst du Kunden Skonto oder Rabatt, werden diese vor der MwSt. auf den Barverkaufspreis aufgeschlagen (im Hundert gerechnet), damit nach Abzug wieder der Barverkaufspreis übrig bleibt. Im Beispiel ohne Kundennachlass ist der Barverkaufspreis zugleich der Netto-Verkaufspreis.

Ein Praxishinweis zum Lieferantenskonto, den ich aus meinen Treasury-Jahren mitgenommen habe: 2 % Skonto wirken klein, sind aber annualisiert einer der teuersten Rabatte, die man liegen lassen kann — bei Skontofrist 10 Tage und Zahlungsziel 30 Tage entspricht das einem Jahreszins von rund 36 %. In meinem eigenen Betrieb ziehen wir Skonto darum konsequent, solange die Liquidität es zulässt. Und in der Kalkulation gehört der Skontoabzug in den Bareinkaufspreis, genau wie oben im Schema — sonst rechnest du mit einem zu teuren Einstand.

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Selbstkosten berechnen: die Basis jeder Kalkulation

Die Selbstkosten sind der Einstandspreis plus die anteiligen Gemeinkosten des Betriebs – also Miete, Personal, Tools, Lager. Diese Gemeinkosten werden über einen Handlungskostenzuschlag auf jedes Produkt umgelegt:

Handlungskostenzuschlag (%) = Gesamtgemeinkosten ÷ Wareneinsatz × 100

Beispiel: Fallen im Jahr 25.000 € Gemeinkosten bei 100.000 € Wareneinsatz an, beträgt der Zuschlag 25 %.

Gesamtgemeinkosten (Jahr) 25.000 €
Wareneinsatz (Jahr) 100.000 €
= Handlungskostenzuschlag 25 %

Auf den Einstandspreis von 80 € angewandt ergeben sich 20 € Gemeinkosten und damit 100 € Selbstkosten – exakt der Wert aus dem Schema oben. Welche Kosten dabei mit der Menge steigen (variabel) und welche unabhängig anfallen (fix), ist im Deckungsbeitrag-Guide vertieft – diese Unterscheidung wird gleich für die Werbe-Grenzen entscheidend.

Zuschlagskalkulation: wie fein du die Gemeinkosten verteilst

Was du im letzten Abschnitt gerechnet hast, hat einen Namen: Der Handlungskostenzuschlag ist eine Zuschlagskalkulation. Das Verfahren gehört zur Vollkostenrechnung und funktioniert immer nach demselben Muster: Kosten, die sich einem Produkt direkt zuordnen lassen (Einzelkosten), werden direkt verrechnet – alles andere (Gemeinkosten) wird prozentual zugeschlagen. Die einzige offene Frage ist, wie fein du dabei vorgehst.

Die 25 % von eben sind die summarische Variante: ein einziger Satz für sämtliche Gemeinkosten, bezogen auf den Wareneinsatz. Im Handel ist das meist genau richtig – der Wareneinsatz dominiert, und die restlichen Kosten verteilen sich halbwegs gleichmässig über das Sortiment.

Sobald du selbst fertigst, wird ein Einheitssatz zu grob: Ein materiallastiges Produkt zieht kaum Maschinenzeit, ein arbeitsintensives kaum Material – bei einem gemeinsamen Satz subventioniert das eine das andere. Dann trennst du die Zuschläge nach Bezugsgrösse: Die Materialgemeinkosten laufen prozentual auf die Materialeinzelkosten, die Fertigungsgemeinkosten auf die Fertigungslöhne. Dasselbe Produkt, dieselben 100 € Selbstkosten – nur zerlegt statt pauschal:

Materialeinzelkosten 50 €
+ Materialgemeinkosten (10 %) 5 €
+ Fertigungslöhne 30 €
+ Fertigungsgemeinkosten (50 %) 15 €
= Selbstkosten 100 €

Das Ergebnis ist identisch – der Erkenntnisgewinn nicht. Die summarische Rechnung sagt dir, dass 20 € Gemeinkosten anfallen; die differenzierte sagt dir, woher sie kommen. Erst damit siehst du, welches Produkt deine Struktur wirklich belastet – und welcher Artikel bei einer Preisrunde Luft hat. Für einen reinen Handelsbetrieb bleibt der eine Zuschlagssatz die ehrlichere Wahl: Er ist schneller und täuscht keine Genauigkeit vor, die die Datenlage nicht hergibt.

Der schnelle Weg im E-Commerce: rückwärts von der Zielmarge

Statt vorwärts Zuschläge zu addieren, rechnen viele Online-Händler rückwärts von einer Zielmarge auf den nötigen Verkaufspreis – den du direkt im Verkaufspreis-Rechner berechnen kannst. Die Umkehr-Formel (hergeleitet im Marge-Guide):

Verkaufspreis = Selbstkosten ÷ (1 − Zielmarge)

Für 50 € Selbstkosten bei verschiedenen Zielmargen:

Zielmarge Nötiger Netto-Verkaufspreis
40 % 83,33 €
50 % 100,00 €
60 % 125,00 €

Achtung Marge ≠ Aufschlag: Wer die 50 % einfach als Aufschlag auf 50 € rechnet, landet bei 75 € und damit nur 33,3 % Marge. Warum, steht im Marge-Guide.

Damit die Rechnung im E-Commerce trägt, müssen alle variablen Kosten vor der Marge in den Selbstkosten stecken – nicht nur der Wareneinkauf. Die üblichen Posten:

Kostenposten Art
Wareneinsatz (Einkauf) variabel
Versand & Verpackung variabel
Payment-Gebühren variabel
Marktplatz- / Plattform-Gebühren variabel
Retouren-Anteil variabel

Wer diese Posten weglässt, kalkuliert eine Marge, die es real nie gibt – und finanziert Versand, Gebühren und Retouren am Ende aus dem vermeintlichen Gewinn.

Preiskalkulation prüfen: trägt der Preis deine Werbekosten?

Die Kalkulation sichert, dass der Preis die Kosten und einen Gewinn deckt. Im E-Commerce kommt eine Hürde dazu: Der Preis muss auch noch die Akquisekosten tragen. Dafür zählt nicht die Voll-Selbstkosten-Kalkulation, sondern der Deckungsbeitrag auf Basis der variablen Kosten (Teilkosten). Zwei Grenzwerte folgen direkt daraus:

Netto-Verkaufspreis 100 €
− variable Kosten 50 €
= Deckungsbeitrag (= maximaler CPA) 50 €
Break-Even-ROAS (1 ÷ 0,5) 2,0x

Ein Neukunde darf über Werbung also maximal 50 € kosten, und jede Kampagne braucht mindestens einen ROAS von 2,0x, um kostendeckend zu sein. Prüfen lässt sich das mit dem Break-Even-ROAS-Rechner und dem CPA/CAC-Rechner; das Zusammenspiel von Preis, Marge und Akquise lässt sich im Marketing Cockpit durchspielen.

Die drei häufigsten Kalkulationsfehler

  • Aufschlag mit Marge verwechselt. Der häufigste Fehler: „50 % draufschlagen" ergibt 33,3 % Marge, nicht 50 %. Die saubere Umrechnung steht im Marge-Guide.
  • Eigene Arbeitszeit und Gemeinkosten vergessen. Wer nur den Wareneinkauf einrechnet, kalkuliert eine Scheinmarge. Miete, Tools und die eigene Stunde gehören über den Handlungskostenzuschlag in die Selbstkosten.
  • Retouren und Gebühren nicht eingepreist. Versand, Verpackung, Payment- und Marktplatz-Gebühren sowie der Retouren-Anteil sind variable Kosten – sie müssen vor der Marge stehen, sonst frisst der erste Retourenschwung den Gewinn.

Häufige Fragen

Wie berechnet man den Verkaufspreis?
Es gibt zwei Wege. Vorwärts (Zuschlagskalkulation): Auf die Selbstkosten wird ein Gewinnzuschlag aufgeschlagen – z. B. 100 € Selbstkosten + 20 % = 120 € Netto-Verkaufspreis. Rückwärts (Margen-Kalkulation): Verkaufspreis = Selbstkosten ÷ (1 − Zielmarge). Bei 50 € Selbstkosten und 50 % Zielmarge ergibt das ebenfalls 100 €.
Wie berechnet man die Selbstkosten?
Selbstkosten = Einstandspreis + anteilige Gemeinkosten (Handlungskosten). Der Handlungskostenzuschlag ergibt sich aus Gesamtgemeinkosten ÷ Wareneinsatz × 100. Beispiel: 25.000 € Gemeinkosten ÷ 100.000 € Wareneinsatz = 25 % Zuschlag; auf 80 € Einstandspreis sind das 100 € Selbstkosten.
Was ist der Unterschied zwischen Zuschlagskalkulation und Margen-Kalkulation?
Die Zuschlagskalkulation rechnet vorwärts: Sie schlägt einen Gewinnzuschlag auf die Selbstkosten. Die Margen-Kalkulation rechnet rückwärts vom Zielpreis: Verkaufspreis = Selbstkosten ÷ (1 − Zielmarge). Wichtig: Der Zuschlagssatz ist nicht die Marge – ein Zuschlag von 100 % ergibt nur 50 % Marge.
Welche Marge braucht ein Online-Shop?
Das hängt von der Branche ab; eine Universalzahl gibt es nicht. Entscheidend ist, dass die Marge nach allen variablen Kosten noch die Werbung tragen muss: Der Break-Even-ROAS ist 1 ÷ Marge, der maximale CPA entspricht dem Deckungsbeitrag. Branchen-Benchmarks und die Einordnung für den eigenen Fall liefert der Bruttomargen-Rechner.

Hintergrund & Quellen

Mehr über den Autor dieses Artikels findest du auf der Über-uns-Seite.